Keine Gewalt – Pressemitteilung

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Häusliche Gewalt!

Manchmal sieht man es erst auf den zweiten Blick

Gewalt gegen Frauen und Kinder ist die häufigste Form von Gewalt weltweit und zieht sich durch alle sozialen Schichten. Sie findet meist zu Hause statt, gerade dort also, wo Schutz und Geborgenheit gesucht werden. Die Täter sind häufig Personen, denen die Betroffenen einmal vertraut haben.

Manchmal sieht man es erst auf den zweiten Blick

Häusliche Gewalt

Was ist häusliche Gewalt

Häusliche Gewalt wird definiert als jede Verletzung der körperlichen oder seelischen Integrität einer Person, die unter Ausnutzung eines Machtverhältnisses durch die strukturell stärkere Person zugefügt wird. Im Allgemeinen wird darunter die Gewaltanwendung in Ehe- und (Ex-)Partnerbeziehungen verstanden. Ganz überwiegend handelt es sich dabei um Gewalthandlungen von Männern an Frauen. Auch Männer sind betroffen, aber nicht im gleichen Ausmaß.
Häusliche Gewalt umfasst psychische Gewalt wie Drohungen und Erniedrigung, finanzielle und soziale Gewalt wie Isolation sowie körperliche und/oder sexuelle Gewalt bis hin zu Tötungsdelikten. Gewalt im sozialen Nahbereich ist meist kein einmaliges Ereignis, sie wiederholt sich. Häufigkeit und Intensität eskalieren oftmals mit der Zeit.

Ausmaß der häuslichen Gewalt

Die Dunkelziffer ist hoch. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist weltweit ein Drittel aller Frauen einmal im Leben dieser Form der Menschenrechtsverletzung ausgesetzt. Die WHO geht von 800.000 jährlichen Todesfällen weltweit durch häusliche Gewalt aus. In der Europäischen Union ist jede 3. Frau von häuslicher Gewalt betroffen. Die jüngste repräsentative Studie, die dazu aus der Bundesrepublik vorliegt, wurde 2004 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend herausgegeben (BMFSF). Sie hat gezeigt, dass ca. 25%, also jede 4. Frau in der Bundesrepublik im Alter von 16 bis zu 80 Jahren in ihrem Leben mindestens einmal körperliche und/ oder sexuelle Gewalt durch einen Beziehungspartner erlebt. In Berlin wurden im Jahr 2012 15.797 Fälle häuslicher Gewalt bei der Polizei registriert. 2.512 Frauen und Kinder haben in den Berliner Frauenhäusern und Zufluchtswohnungen Schutz und Hilfe gesucht.

Wie wirkt sich häusliche Gewalt aus

Gewalt verletzt und zerstört das Selbstwertgefühl, die sozialen Beziehungen sowie die Lebens- und Arbeitsperspektiven der Betroffenen. Die Frauen erleiden zum Teil schwerste Körperverletzungen. Es kommt zu Vergewaltigungen und versuchten oder vollendeten Tötungen. In vielen Fällen ist für die Betroffenen die Möglichkeit, effektiv zu arbeiten, stark eingeschränkt.
Je länger und je häufiger die Opfer der Gewalt ausgesetzt waren und je früher sie stattfand, desto komplexer können die psychischen und physischen Langzeitfolgen für sie sein. Kinder sind immer Mitbetroffene der Gewalt, sei es indirekt als Zeuge oder als Opfer. Kinder, die in ihrer Familie Gewalt als Konfliktlösungsmuster kennengelernt, Gewalt selbst erfahren oder beobachtet haben, neigen später dazu, selbst Opfer von Partnergewalt zu werden oder selbst gewalttätig zu sein.

Kinder und häusliche Gewalt

Die Kinder sind immer mit betroffen, entweder, weil das Miterleben der Gewalt gegen die Mutter schädliche Auswirkungen hat und/oder weil sie in diesem Kontext oft selbst misshandelt werden. Die Folgen für die Kinder sind vielseitig: Kinder entwickeln Ängste, leiden unter Schlafstörungen, haben Konzentrationsstörungen. Es kommt zu Leistungsabfall in der Schule, erhöhter Aggressivität, Zurückgezogenheit, Niedergeschlagenheit, den Kindern fehlen konstruktive Konfliktlösungsmöglichkeiten. Oft wird häusliche Gewalt von Generation zu Generation weiter getragen.
Um den Kreislauf von (häuslicher) Gewalt zu durchbrechen und die Erziehungskompetenz der Eltern zu stärken, sind effektive Interventions- und Präventionsmaßnahmen erforderlich. Hier setzt die Berliner Interventionszentrale gegen häusliche Gewalt mit dem Präventionsprojekt an Grundschulen an. Zur Unterstützung der spezifischen Situation von Kindern als Mitbetroffene von Gewalt gibt es in den Frauenhäusern und bei dem Träger Frauenzimmer e.V. einen eigenen Bereich für die Kinder.

Hilfe und Unterstützung

In Berlin gibt es ein engmaschiges Netz von Hilfeangeboten wie Frauenhäuser, Beratungsstellen und Zufluchtswohnungen. Auch Polizei und Justiz sind für das Thema sensibilisiert. Betroffene häuslicher Gewalt, aber auch Familienangehörige oder Kolleginnen und Kollegen können sich unter der Rufnummer 030-611 03 00 bei der BIG-Hotline rund um die Uhr telefonische Hilfe, Beratung und Unterstützung holen. Die HOTLINE vermittelt den betroffenen Frauen und Kindern auch freie Plätze in den Frauenhäusern. Auch für Kinder, die in der Regel Zeugen und damit Opfer der Gewalt sind, gibt es beim Kindernotdienst eine eigene Notrufnummer: 61 00 61.

Daneben bietet das bundesweite Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter der kostenfreien Rufnummer 08000116016 rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr Betroffenen die Möglichkeit, sich zu jeder Zeit anonym, kompetent, sicher und barrierefrei beraten zu lassen.

Der in Kooperation mit BIG erstellte Berliner Wegweiser für von häuslicher Gewalt betroffene Migrantinnen gibt einen Überblick über die Beratungsangebote.

Gesetzliche Regelungen

Gesetzliche Regelungen wie das Gesetz zur Verbesserung des zivilgerichtlichen Schutzes bei Gewalttaten und Nachstellungen sowie zur Erleichterung der Zuweisung der Ehewohnung bei Trennung (Gewaltschutzgesetz) ermöglichen Schutzanordnungen, z. B. Betretensverbot der Wohnung, Bannmeile, Kontaktverbot zum Arbeitsplatz oder der Kita, Wohnungszuweisung für die Opfer. Das Berliner Polizeigesetz (Allgemeines Sicherheits- und Ordnungsgesetz -ASOG) ermöglicht in der akuten Gefährdungssituation eine Wegweisung des Täters. Das Stalkingesetz stellt das unbefugte und beharrliche Nachstellen und Belästigen anderer Menschen auch im beruflichen Umfeld unter Strafe.

 

2016 Foto und Bilder © Pastor Peter Stanic

via Häusliche Gewalt – Berlin.de.

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